Deutsche Satelliten-Flotte will das Musk-Monopol verhindern

Deutsche Satelliten-Flotte will das Musk-Monopol verhindern

Im Kampf ums All droht Europa gegenüber den USA und China den Anschluss zu verlieren. Jetzt endlich wird gehandelt: Eine Gruppierung um deutsche Raumfahrt-Firmen soll bis Mitte des Jahrzehnts eine privat finanzierte Flotte von 400 Satelliten in den Weltraum bringen.

on Volkswagen ist bekannt, dass der Autokonzern Interesse an einer unabhängigen Anbindung seiner Fahrzeuge an den Weltraum hat. Beispielsweise zum Aufspielen neuer Software, wie das bei den Elektroautos des Konkurrenten Tesla regelmäßig erfolgt.

Doch Europas Wirtschaft will sich eigentlich nicht von Satellitenflotten etwa vom Tesla-Chef Elon Musk oder aus China abhängig machen. Jetzt präsentiert sich eine Gruppierung mit deutschen Raumfahrt-Start-ups als Problemlöser. Unter dem Projektnamen UN:IO soll bis 2025/2026 eine privat finanzierte Flotte von 400 Satelliten im All kreisen.

Das Vorhaben ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert und ambitioniert. Die Gruppierung mit bislang 14 Unternehmen und Instituten wird angeführt von drei Start-ups: dem Laserkommunikationsunternehmen Mynaric, dem Raketenbauunternehmen Isar Aerospace sowie dem Berliner Satellitenhersteller Reflex Aerospace.

Das Konsortium prescht gewissermaßen vor und legt sich mit den Großen der Branche an. Die EU-Kommission hatte vor gut einem Jahr eine sieben Millionen Euro teure Studie für eine souveräne Megakonstellation im All an Branchenschwergewichte wie Airbus und OHB vergeben. Die Studien-Ergebnisse sind bislang noch nicht veröffentlicht. Jüngst vergab Brüssel zwei weitere Studienaufträge an ein eher französisch geprägtes Start-up-Konsortium (New Symphonie) und jetzt 1,4 Millionen Euro an UN:IO.

Die deutsche Gruppierung kündigt schon jetzt vollmundig per Mitteilung an: „Bis 2025 erhält Europa seine eigene Konstellation von Satelliten zur Sicherstellung souveräner Kapazitäten für kommerzielle wie institutionelle Kommunikationskanäle.“ Der Chef von Reflex Aerospace, Walter Ballheimer, bezeichnet das Projekt als „Europas technologische Unabhängigkeitserklärung“. Wie es auf der neuen Homepage www.unio.global heißt, sollen bis Mitte 2022 die Finanzinvestoren gewonnen werden, um Ende 2023 einen ersten Demonstrator-Satelliten zu starten und von 2024 bis 2026 die Gesamtflotte im All aufzubauen.

Über die geplanten Kosten werden keine Angaben gemacht. Die Rede ist von einer Finanzierung aus Eigenmitteln und Risikokapital. Nationale Regierungen und die EU sollen „als Ankerkunden oder Partner gewonnen werden“, erklärt Ballheimer. Der 37-Jährige war sechs Jahre Chef des Berliner Kleinsatellitenherstellers German Orbital Systems und ist seit Juni Chef der Neugründung Reflex Aerospace. Angeblich wird seit Jahresanfang an dem Projekt UN:IO gearbeitet. Zur Gruppierung gehören auch mehrere Fraunhofer Institute und Telefónica Germany.

Das UN:IO-Projekt ist ein weiteres Beispiel für den als „New Space“ bezeichneten Umbruch in der Raumfahrt. Immer mehr Privatunternehmen drängen in den Markt. Allerdings drängt die Zeit, wenn Europa dabei gegenüber den USA, aber auch China nicht den Anschluss verlieren will. Wesentlicher Treiber der Branche ist der Technik-Unternehmer Elon Musk, der aktuell mit hohem Tempo sein Satellitennetz Starlink im All aufbaut.

Von geplanten 30.000 bis 40.000 Satelliten hat er schon über 1890 gestartet. Musk gehört bereits über die Hälfte aller im All aktiven Satelliten. Der Generaldirektor der Europäischen Weltraumorganisation ESA, Josef Aschbacher, warnte jüngst davor, dass Musk praktisch die Regeln im Weltraum bestimmt und große Teile der Umlaufbahnen belege. „Er schafft eine Musk-Souveränität im All“, so Aschbacher zur „Financial Times“.

Source: WELT

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